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ROMPC® mit Psychotikern?
Inwieweit ist ROMPC® in der Arbeit mit Psychotikern hilfreich?
Konkret: Mir liegt die Anfrage eines Klienten vor, der vor längerer Zeit nach dem Besuch einer Körpertherapiegruppe psychotisch dekompensiert ist und seit dieser Zeit immer wieder unter schizophrenen Symptomen wie “Stimmen im Kopf” leidet.
Ich betrachte die belastenden Einflüsterungen dieser Stimmen Repräsentanzen des inneren Teams des Klienten (resp. von sog. “Nebenpersönlichkeiten”), auch wenn diese sich für ihn im schizophrenen Schub subjektiv als reale Außeninstanzen darstellen.
Ich könnte mir grundsätzlich vorstellen, die Behandlungsrituale des ROMPC® dafür zu nutzen, bei dem Klienten eine Befriedung seines inneren Teams herbei zu führen, um ihn von den negativen Einflüsterungen zu entlasten.
Ich habe allerdings noch nie mit Psychotikern ROMPC® gemacht. Deshalb interessiert mich Eure Meinung.
Esther Weinz
ROMPC®-Therapeutin
ROMPC®-Ausbilderin
estherweinz@web.de
2 Antworten auf “ROMPC® mit Psychotikern?”
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17.11.2010 bei 10:08
Liebe Esther,
ja, ich habe zwar Erfahrung in der Arbeit mit Psychotikern. Aber dies stammt aus einer zeit, als es noch kein ROMPC® gab und ich vor allem mit Transaktionsanalyse arbeitete. Der beziehungsorientierte Ansatz, der später Eingang ins ROMPC® gefunden hat, war allerdings damals schon maßgeblich und sehr erfolgreich.
Wenn man C.G. Jung folgt, muss man bei Psychotikern, resp. Schizophrenen von einer Überschwemmung mit Material aus dem Kollektiven Unbewussten ausgehen. In unserer Sprache ist dies Material aus dem Bereich des gesamten Spektrums der sog. “Nebenpersönlichkeiten”: Dissoziative Live States, Past Live States, Intrusive Life States.
Deshalb wäre meines Erachtens nach eine Behandlung dieser Life States grundsätzlich angesagt. Allerdings handelt es sich bei psychotischen Störungen - auch im Einklang mit C.G. Jung - zuerst um eine Abwehrschwäche des Ichs. In unserer Sprache: der Innere Chef tut nicht seinen Job.
Das Phänomen der Abwehrschwäche ist bei deinem Klienten auch daran zu erkennen, dass er nach dem Besuch einer körpertherapeutischen Veranstaltung, die vermutlich starke Gefühle an die Oberfläche beföredrt hat, dekompensiert ist. Das gilt es natürlich, im Rahmen einer ROMPC®-Behandlung zu verhindern. Insofern würde ich expressive ROMPC®-Behandlungstechniken vermeiden und darüber hinaus zunächst stabilisierend mit dem horizontalen ROMPC® Arbeiten.
Kurz: alles, was dazu geeignet ist, “den inneren Chef zu stärken”, hat therapieplanerisch betrachtet Vorrang. Andernfalls würdest du Gefahr laufen, die “Büchse der Pandora” erst richtig aufzumachen.
Ferner denke ich, dass die Unterpersönlichkeiten des Inneren Teams fit gemacht werden müssten (Innere Eltern und Innere Kinder), um den Chef zu unterstützen, bevor man sich mit den genannten Nebenpersönlichkeiten auseinandersetzt.
Unerlässlich, denke ich, ist es allerdings, dass die psychotische Störung deines Klienten ebenfalls fachärztlich begleitet wird und dass dein Klient die ärztlich verordneten Psychopharmake (wahrscheinlich: Neuroleptika) konsequent einnimmt. Die Einnahme dieser Psychopharmaka beeinträchtigt nicht die Arbeit mit den ROMPC®-Techniken. Sie schützt jedoch dich und deinen Klienten vor erneuten gesundheitsgefährdenden Dekompensationen.
Ich hoffe, dir weiter geholfen zu haben.
Mit herzlichen Grüßen
Thomas Weil
ROMPC®-Therapeut
ROMPC®-Ausbilder
22.11.2010 bei 17:30
Liebe Esther,
ich habe öfter mit Klienten zu tun, die eine psychotische Episode gerade erleben oder erlebt haben. Meist handelt es sich um zwei Problemabklärungen dabei: die Klienten kommen zunächst selten freiwillig - sie werden unter Druck vom Fallmanagement Beschäftigung und Arbeit geschickt, weil sie Auffälligkeiten aufweisen und nicht vermittlungsfähig sind, manchmal laden wir auch zur Vorstellung ein, weil sich Nachbarn gemeldet haben oder Angehörige. Unter dem Druck der Zuwendungskürzungen kommen die Klienten am ehesten. In diesem Fall gilt es, erstmal diagnostisch abzuklären, ob es eine psychotische Episode ist oder vielleicht auch eine Persöhlichkeitsstörung (z.B. Borderline-Typus).
Manchmal hören Menschen auch Stimmen, wenn sie längere Zeit unter massiven emotionalen Druck standen (eine junge Frau etwa, die sich vom Ehemann trennen wollte - da aber die Familie in einer religiösen Gemeinschaft lebte, in der Ehebruch mit Teufelsbesetzung belegt wurde, gestattete man ihr nicht mehr den Zugang zu ihrem Kind. Sie litt so sehr unter der Ausgrenzung, dass sie anfing ständig Stimmen zu hören, die sie abwerteten, tuschelten o.ä. Sie hatte aber einen realistischen Blick dafür, dass das “verrückte Wahrnehmungen” von ihr selbst waren und befürchtete, dass sie “durchdrehen” könnte.)
Jedenfalls arbeite ich hier höchst selten mit ROMPC, weil es erstmal darum geht, psychoedukativ zu vermitteln und die Klienten zu motivieren, sich in fachärztliche Behandlung zu begeben. Meist vermittle ich die Termine gleich über unsere beratenden Fachärzte.
Im zweiten Falle kommen Klienten nach psychotischen Episoden auf Anraten der Klinik oder des behandelnden Facharztes zu mir. Jene haben meist eine gewisse Krankheitseinsicht und Behandlungsmotivation. Dort arbeite ich psychoedukativ mit dem inneren Team - zunächst nur, um die Rolle des “Chefs”, des “Regisseurs” bildhaft zu verdeutlichen (ich nehme dazu gern den Szenokasten von Stabs), um dann gemeinsam Ressourcen und Rituale zu finden, um den Chef zu stabilisieren und in seiner Führungskompetenz zu stärken. Dazu leite ich regelmäßig psychologische Umkehr mit entsprechenden Affirmationen an. Außerdem: Schlüsslebein-Punkt klopfen, um den aktuellen Stress zu reduzieren und ganz permanent das “Türenschließen-Ritual”.
An die Anwesenheit fremder Anteile denke ich häufig - identifiziere diese aber nicht, sondern arbeite mit allgemeinen Übungen, wo alles rausbefördert wird, was da nicht hin gehört bzw. dorthin zurück gegeben wird, wo es her gekommen ist. Mental denke ich während dieser Übungen systematisch an die fremden Anteile - d. h. ich spreche innerlich den “Intrusiven Life State” bzw. den “Past Life State” an. Bisher bin ich damit gut gefahren. Um es genau zu sagen: ich bin bezüglich der offenen Identifizierung fremder Anteile und deren Eliminierung bei Psychotikern äußerst vorsichtig.
Hoffe, das hilft Dir weiter.
Liebe Grüße Annette